Montag, 25. Juni 2012

Jogi im Wunderland

Es gibt Geschichten, die sind so unglaublich und verrückt, dass man sie kaum erzählen mag. Einige würden diese Geschichten am liebsten verbieten - stellen sie doch alles auf den Kopf, woran man glaubte. Eine dieser Geschichten trug sich im Sommer 2012 zu, an einem Ort jenseits von Gut und Böse, an einem Ort wie Polen und Ukraine. Nennen wir ihn fortan: Wunderland.

 
Am Tage des zweiten Viertelfinals machte ein Gerücht die Runde, welches ebenso erträumt wie realistisch wirkte. Das kleine Schwäbchen Jogi fiel der Überlieferung nach in ein tiefes dunkles Loch und fand auf der anderen Seite eine gar wunderliche Welt. Er wanderte durch den Danziger Wald und traf schon bald ein Geschöpf, dessen Grinsen wohl alles übertraf, was Jogi bis dahin kannte. Er nannte es: Grinseschürrle.

 
Grinseschürrle hatte die Eigenschaft sich lange Zeit ins Nichts auflösen zu können. Nur gelegentlich blitzte hier und dort sein strahlendes Grinsen auf und gab zu erkennen, dass Grinseschürrle noch in der Nähe war. Doch an diesem Tag nahm Jogi allen Mut zusammen und sprach Grinseschürrle an: "Entschuldigung? Ich suche den Weg ins Halbfinale. Kannst du mir helfen?" Grinseschürrle grinste nur und nickte.

Einige Zeit später sauste ein kleiner Mann an ihnen vorbei. Jogi rief ihm hinterher, doch er schien bereits über alle Berge. Er drehte sich gerade um, da huschte der kleine Mann wieder vorbei. "Hallo, Sie?" rief Jogi. "Keine Zeit! Keine Zeit!" schallte nur durch den Danziger Wald und der kleine Mann war wieder verschwunden. "Ich hätte eine Frage!" rief Jogi in den Wald. Plötzlich stand der kleine Mann mit einem großen Hut direkt vor Jogi und fragte: "Möchten Sie mit mir spielen?" - "Spielen? Ich möchte doch nur ins Halbfinale..." erwiderte Jogi. "Halbfinale, natürlich! Aber erst spielen wir Torparty!" Jogi hatte keine Wahl und setzte sich. Er sah zu, wie der kleine Chancenmacher ein Tor nach dem anderen einschoss, gemeinsam mit einem alten Hasen namens Miro. Dann gingen auch sie mit Jogi mit.

Wer Jogi kannte hätte nie gedacht, dass er einmal mit solch wunderlichen Gestalten verkehren würde. Und doch schien er alles richtig gemacht zu haben. Im Halbfinale angekommen trafen sie auf die unberechenbare Königin Italia, auch bekannt als die "Herzensbrecherin". "Wenn ihr bis zur iberischen Siesta ins Finale wollt, müsst ihr mir erst eine Frage beantworten!" sagte Italia. "Wer ist kein guter Ratgeber?"

Jogi erinnerte sich an das alte Sommermärchen, das ihm seine Mutter früher immer vorgelesen hat. Er schaute Grinseschürrle und den Chancenmacher an, die beide ihre Hilfe anboten. Dann schaute er den alten Hasen an und dieser hustete nur: "Ich hab schon viele so kurz vor dem Ziel scheitern gesehen. Gegen Italia haben wir noch nie gewonnen. Aber ich bin mir sicher: Diesmal schaffen wir es!" Jogi nickte und sagte: "Rache ist kein guter Ratgeber, doch eine gute Motivation!" Der Königin verging ihr Lachen. Sie zeigte nun ihr wahres Gesicht und schickte all ihre Buben ins Spiel.

Doch an einem Ort wie diesen passieren die verrücktesten Dinge. Und so stellten sich Jogi und seine Gefährten der Gefahr, Grinseschürrle lachte ihr ins Gesicht und der Chancenmacher flitzte umher, als gäbe es kein Morgen mehr. Und jeder wusste: Dieses Mal schaffen wir es!




In diesem Sinne schwarzrotgoldene Grüße,

André

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